Anne Frank



Anne Frank
©AFP PHOTO /ANNE FRANK FONDS
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Heute vor 75 Jahren wurden Anne Frank und ihre Familie von den Nazi entdeckt und verhaftet:
4. August 1944
A day to remember...
On August 4th, 1944 Anne Frank and her family were discovered and arrested by the Nazis


https://www.dw.com/de/liebe-kitty-anne-franks-romanfragment/a-49137468?maca=de-EMail-sharing


Dies war ihr letzter Tagebucheintrag am 1. August 1944


Dienstag, 1. August 1944
Liebe Kitty!
»Ein Bündelchen Widerspruch!« Das ist der letzte Satz meines vorigen
Briefes und der erste von meinem heutigen. »Ein Bündelchen
Widerspruch«, kannst du mir genau erklären, was das ist? Was bedeutet
Widerspruch? Wie so viele Worte hat es zwei Bedeutungen,
Widerspruch von außen und Widerspruch von innen. Das Erste ist
das normale »sich nicht zufrieden geben mit der Meinung anderer
Leute, es selbst besser zu wissen, das letzte Wort zu behalten«, kurzum,
alles unangenehme Eigenschaften, für die ich bekannt bin. Das
Zweite, und dafür bin ich nicht bekannt, ist mein Geheimnis.
Ich habe dir schon öfter erzählt, dass meine Seele sozusagen zweigeteilt
ist. Die eine Seite beherbergt meine ausgelassene Fröhlichkeit,
die Spöttereien über alles, Lebenslustigkeit und vor allem meine Art,
alles von der leichten Seite zu nehmen. Darunter verstehe ich, an
einem Flirt nichts zu finden, einem Kuss, einer Umarmung, einem
unanständigen Witz. Diese Seite sitzt meistens auf der Lauer und
verdrängt die andere, die viel schöner, reiner und tiefer ist. Nicht
wahr, die schöne Seite von Anne, die kennt niemand, und darum kön-
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nen mich auch so wenige Menschen leiden. Sicher, ich bin ein amüsanter
Clown für einen Nachmittag, dann hat jeder wieder für einen
Monat genug von mir. Eigentlich genau dasselbe, was ein Liebesfilm
für ernsthafte Menschen ist, einfach eine Ablenkung, eine Zerstreuung
für einmal, etwas, das man schnell vergisst, nicht schlecht, aber
noch weniger gut. Es ist mir unangenehm, dir das zu erzählen, aber
warum sollte ich es nicht tun, wenn ich doch weiß, dass es die Wahrheit
ist? Meine leichtere, oberflächliche Seite wird der tieferen immer
zuvorkommen und darum immer gewinnen. Du kannst dir nicht
vorstellen, wie oft ich nicht schon versucht habe, diese Anne, die nur
die Hälfte der ganzen Anne ist, wegzuschieben, umzukrempeln und
zu verbergen. Es geht nicht, und ich weiß auch, warum es nicht geht.
Ich habe große Angst, dass alle, die mich kennen, wie ich immer bin,
entdecken würden, dass ich eine andere Seite habe, eine schönere und
bessere. Ich habe Angst, dass sie mich verspotten, mich lächerlich und
sentimental finden, mich nicht ernst nehmen. Ich bin daran gewöhnt,
nicht ernst genommen zu werden, aber nur die »leichte« Anne ist
daran gewöhnt und kann es aushalten. Die »schwerere« ist dafür zu
schwach. Wenn ich wirklich einmal mit Gewalt für eine Viertelstunde
die gute Anne ins Rampenlicht gestellt habe, zieht sie sich wie ein
Blümchen-rühr-mich-nicht-an zurück, sobald sie sprechen soll, lässt
Anne Nr. 1 ans Wort und ist, bevor ich es weiß, verschwunden.
In Gesellschaft ist die liebe Anne also noch nie, noch nicht ein einziges
Mal, zum Vorschein gekommen, aber beim Alleinsein führt sie
fast immer das Wort. Ich weiß genau, wie ich gern sein würde, wie
ich auch bin ... von innen, aber leider bin ich das nur für mich selbst.
Und das ist vielleicht, nein, ganz sicher, der Grund, warum ich mich
selbst eine glückliche Innennatur nenne und andere Menschen mich
für eine glückliche Außennatur halten. Innerlich weist die reine
Anne mir den Weg, äußerlich bin ich nichts als ein vor Ausgelassenheit
sich losreißendes Geißlein.
Wie schon gesagt, ich fühle alles anders, als ich es ausspreche. Dadurch
habe ich den Ruf eines Mädchens bekommen, das Jungen nachläuft,
flirtet, alles besser weiß und Unterhaltungsromane liest. Die
fröhliche Anne lacht darüber, gibt eine freche Antwort, zieht gleichgültig
die Schultern hoch, tut, als ob es ihr nichts ausmacht. Aber ge-
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nau umgekehrt reagiert die stille Anne. Wenn ich ganz ehrlich bin,
muss ich dir bekennen, dass es mich trifft, dass ich mir unsagbar viel
Mühe gebe, anders zu werden, aber dass ich immer wieder gegen stärkere
Mächte kämpfe.
Es schluchzt in mir: Siehst du, das ist aus dir geworden: schlechte
Meinungen, spöttische und verstörte Gesichter, Menschen, die dich
unsympathisch finden, und das alles, weil du nicht auf den Rat deiner
guten Hälfte hörst. Ach, ich würde gern darauf hören, aber es
geht nicht. Wenn ich still oder ernst bin, denken alle, dass das eine
neue Komödie ist, und dann muss ich mich mit einem Witz retten.
Ganz zu schweigen von meiner eigenen Familie, die bestimmt
glaubt, dass ich krank bin, mir Kopfwehpillen und Beruhigungstabletten
zu schlucken gibt, mir an Hals und Stirn fühlt, ob ich Fieber
habe, mich nach meinem Stuhlgang fragt und meine schlechte Laune
kritisiert. Das halte ich nicht aus, wenn so auf mich aufgepasst
wird, dann werde ich erst schnippisch, dann traurig, und schließlich
drehe ich mein Herz wieder um, drehe das Schlechte nach außen,
das Gute nach innen und suche dauernd nach einem Mittel, um so
zu werden, wie ich gern sein würde und wie ich sein könnte,
wenn ... wenn keine anderen Menschen auf der Welt leben würden.
Deine Anne M. Frank
Hier endet Annes Tagebuch
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[©Anne Frank Tagebuch,Fassung von Otto H. Frank und Mirjam Pressler


Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler Fischer Taschenbuch Verlag 2007,S.311-313]




This was her last entry in her diary on August 1st 1944: 

TUESDAY, AUGUST 1, 1944
Dearest Kitty,
"A bundle of contradictions" was the end of my previous letter and is the beginning of
this one. Can you please tell me exactly what "a bundle of contradictions" is? What
does "contradiction" mean? Like so many words, it can be interpreted in two ways: a
contradiction imposed from without and one imposed from within. The former means
not accepting other people's opinions, always knowing best, having the last word; in
short, all those unpleasant traits for which I'm known. The latter, for which I'm not
known, is my own secret.
As I've told you many times, I'm split in two. One side contains my exuberant
cheerfulness, my flippancy, my joy in life and, above all, my abthty to appreciate the
lighter side of things. By that I mean not finding anything wrong with flirtations, a
kiss, an embrace, an off-color joke. This side of me is usually lying in wait to
ambush the other one, which is much purer, deeper and finer. No one knows Anne's
better side, and that's why most people can't stand me. Oh, I can be an amusing clown
for an afternoon, but after that everyone's had enough of me to last a month. Actually,
I'm what a romantic movie is to a profound thinker -- a mere diversion, a comic
interlude, something that is soon forgotten: not bad, but not particularly good either. I
hate haVing to tell you this, but why shouldn't I admit it when I know it's true? My
lighter, more superficial side will always steal a march on the deeper side and
therefore always win. You can't imagine how often I've tried to p:ush away this Anne,
which is only half of what is known as Anne-to beat her down, hide her. But it
doesn't work, and I know why.
I'm afraid that people who know me as I usually am will discover I have another side,
a better and finer side. I'm afraid they'll mock me, think I'm ridiculous and sentimental
and not take me seriously. I'm used to not being taken seriously, but only the
"lighthearted" Anne is used to it and can put up with it; the "deeper" Anne is too
weak. If I force the good Anne into the spotlight for even fifteen minutes, she shuts
up like a clam the moment she's called upon to speak, and lets Anne number one do
the talking. Before I realize it, she's disappeared.
So the nice Anne is never seen in company. She's never made a single appearance,
though she almost always takes the stage when I'm alone. I know exactly how I'd like
to be, how I am . . . on the inside. But unfortunately I'm only like that with myself.
And perhaps that's why-no, I'm sure that's the reason why -- I think of myself as
happy on the inside and other people think I'm happy on the outside. I'm guided by
the pure Anne within, but on the outside I'm nothing but a frolicsome little goat
tugging at its tether.
As I've told you, what I say is not what I feel, which is why I have a reputation for
being boy-crazy as well as a flirt, a smart aleck and a reader of romances. The
happy-go-lucky Anne laughs, gives a flippant reply, shrugs her shoulders and
pretends she doesn't give a darn. The quiet Anne reacts in just the opposite way. If
I'm being completely honest, I'll have to admit that it does matter to me, that I'm
trying very hard to change myself, but that I I'm always up against a more powerful
enemy.
A voice within me is sobbing, "You see, that's what's become of you. You're
surrounded by negative opinions, dismayed looks and mocking faces, people, who
dislike you, and all because you don't listen to the ; advice of your own better half."
Believe me, I'd like ;' to listen, but it doesn't work, because if I'm quiet and serious,
everyone thinks I'm putting on a new act and I have to save myself with a joke, and
then I'm not even talking about my own family, who assume I must be sick, stuff me
with aspirins and sedatives, feel my neck and forehead to see if I have a temperature,
ask about my bowel movements and berate me for being in a bad mood, until I just
can't keep it up anymore, because jj when everybody starts hovering over me, I get
cross, then sad, and finally end up turning my heart inside g out, the bad part on the
outside and the good part on the inside, and keep trying to find a way to become
what I'd like to be and what I could be if . . . if only there were no other people in
the world.
Yours, Anne M. Frank
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ANNE'S DIARY ENDS HERE.
[©Edited by Otto H. Frank and Mirjam Pressler Translated by Susan Massotty p.246-247]


日本語coming soon...


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一九四四年八月一日 火曜日
親愛なるキティーへ
矛盾のかたまり 前回の手紙はこの言葉で終わりましたから きょうはここから始めるこ とにしましょう 矛盾のかたまり  これって 正確にはどういうことなんでしょうか 矛盾 とは なにを意味してるんでしょうか ほかの多くの言葉とおなじに これにもふたつの解釈(かいしゃく) があります 外から見た矛盾と 内から見た矛盾です 前者は いつものわたしの 強情っぱ 知ったかぶり でしゃばり つまり わたしがそれで悪名をはせている あらゆる不愉 快な性質のことですし 後者は そう そちらはだれも知りません それはわたしだけの秘密 です

前にもお話ししたとおり 、 わたしはいわば二重人格です 。 いっぽうは 、 生来(せいらい)のあふれるばか りの快活さと 、 どんなことでもおもしろがる陽気さ 、 活発さ 、 そしてなによりも 、 あらゆる事 物を軽く受け取る流儀(りゅうぎ) 、 などをあらわしています 。 このなかには 、 男の子からちょっかいをか けられたり 、 キスされたり 、 抱きし められたり 、 品のない冗談を言われたりしても 、 あまり気 にかけないというようなことも(ふく)まれています 。 こちらの一面は 、 いつも機会を狙っていて 、 なにかといえばもうひとりの 、 より良い 、 より深みのある 、 より純粋(じゅんすい)なわたしを押しのけてし まいます 。 ぜひわかっていただきたいのは 、 この良いほうのアンネを知るひとはひとりもなく 、 そのため 、 たいがいのひとがわたしを 、 我慢(がまん)のならないでしゃばりだと思っていることです 。 たしかに 、 半日くらいならわたしだって 、 軽薄(けいはく)道化(どうけ)を演じることはありますけど 、 みんなは もうそれだけで 、 あと一月ぐらいはアンネの顔なんか見たくもない 、 なんて思ってしまうんで す 。 じっさいこれは 、 思索的(しさくてき)なひとに恋愛(れんあい)映画を見せるようなもので 、 ただいっときおもしろ いだけの 、 たんなる気晴らし 、 じきに忘れられてしまうもの 、 悪くはないけど 、 けっして良く もないもの 、 そういったところです 。 こんなことを自分の口から言いたくはありませんけど 、 どっちにしろほんとうだとわかってることなら 、 言ったって悪くはないでしょう 。 わたしの軽 薄な 、 うわすべりな一面は 、 とにかくはしっこくて 、 おかげで深みのある一面はとても追いつ けません 。 だからいつもこっちの面ばかりが 、 大きな顔でのさばっているのです 。 あなたには 「 とてもわかってはもらえないでしょうけど 、 これまでどれだけこっちのアンネをひっこませよ
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う 、 おさえつけよう 、 隠しておこうと苦心してきたことか 。 なにしろ彼女は 、 アンネと呼ばれ ている存在の 、 たった半分にしかあたらないんですから 。 でもそれはうまくゆきませんし 、 ど うしてうまくゆかないのか 、 そのわけもわかっています 。
じつをいうとわたし 、 普段のわたしを知る人たちに 、 自分がべつの一面を持っていることを 知られたくないんです 。 普段見せている一面よりも 、 すてきで 、 りっぱな一面があることを知 られるのがこわいんです 。 その人たちから笑われはしないか 、 滑稽だ 、 センチメンタルだと思 われはしないか 、 まじめに受け取ってはもらえないんじゃないか 、 そんなふうに恐れるからで す 。 まじめに受け取ってもらえないのには慣れていると言っても 、 それは 、 軽薄な 、 ほうのア ンネだけのことで 、 深みのある 、 アンネのほうは 、 繊細なので 、 それには堪えられません 。 じっさいに 、 ときおり良いほうのアンネをむりやり十五分ばかり表舞台にひっぱりだすと 、 台詞を言う番になったとたんに 、 彼女はすっかり萎縮してしまい 、 アンネ第一号に役を譲って 、 わたし自身ですら気づかないうちに 、 そっと退場してしまうのです 。
そんなわけで 、 良いほうのアンネは 、 人前ではけっして顔を出しません 。 これまで一度だっ て素顔を見せたことはなく 、 彼女が主役を演じるのは 、 わたしとふたりきりのときだけです 。 わたしは自分がどういう人間になりたいか 、 はっきりわきまえています 。 現在どういう人間か も … … 内側ではそれもよくわかっています 。 でも悲しいかな 、 そういうふうになれるのは 、 わたし自身にたいしてだけなんです 。 ですから 、 自分では自分を内面的に幸福な性格だと思い 、 他人はうわべだけを見て 、 幸福な気質だと判断する 、 この差異はおそらく 、 そこからきている
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んでしょう いえ きっとそうにちがいありません わたしを導いているのは アンネなのに 外面だけ見れば 束縛を嫌って気ままにはねまわっている 無軌道な子 しかないというわけです - いつも言っているように わたしは何事につけ けっしてほんとうの気持ちを口には出しま
てんばむすめ せん そのおかげで 男の子ばかり追っかけてるお転婆娘だとか 浮気っぽいとか 知ったか ぶりだとか 安っぽい恋愛小説の愛読者だとか いろいろ汚名をこうむってきました 快活な ほうのアンネは それを笑いとばし ぽんぽんやりかえし 無造作に肩をすくめて なんとも 思っていないかのようにふるまいますが あいにく おとなしいほうのアンネの反応は まっ たく正反対 あくまでも正直に言うなら これにはたしかに傷つけられると言わなくちゃなり ません 傷ついたあげく 懸命に自分を変えようと努力するのですが 残念ながら 相手はい つの場合ももっと強力な敵なんです 胸のうちですすり泣く声が聞こえます そうらごらん やっとわかったでしょ ? あんた は否定的な見かたと おぞましげな目つきと あざけるような顔とにとりかこまれている んたは会うひとみんなから嫌われている それもこれも 良いほうの自分の忠告に耳を傾 うとしないからよ とんでもない 耳を傾ける気ならじゅうぶんにあります でもそれがうま くゆかないんです かりにわたしがおとなしく まじめにしていると みんなは新手の演技を
めたと思うだけなので 結局は冗談にまぎらして やめてしまうしかありません ましてや うちの家族ときたら てっきりわたしを病気と思いこんで 頭痛薬だの鎮静剤だのを飲ませて
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みたり 熱はないかとひたいや首筋に触れてみたり 便秘していないかとたずねてみたり 機嫌にしているのをたしなめてみたり これではたまったものじゃありません ここまで一挙 一動を見まもっていられると だんだんわたしはとげとげしくなりはじめ つぎにはやりきれ なくなってきて しまいには あらためてぐるりと心の向きを変え 悪い面を外側に 良い面 を内側に持ってきてしまいます そしてなおも模索しつづけるのです わたしがこれほどまで にかくありたいと願っている そういう人間にはどうしたらなれるのかを きっとそうなれる はずなんです もしも … … この世に生きているのがわたしひとりであったならば
じゃあまた アンネ M フランクより
もきく
アンネの日記はここで終わっている 

日本語の翻訳からp。578-582


...heute vor 77 Jahren...
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Auf dieser Seite ist es mir ein Anliegen, die Tagebucheintragungen zeitgleich zu teilen …heute vor 77 Jahren schrieb Anne Frank in ihr Tagebuch… viele kennen es, doch an diesem Tag nochmals zu lesen, was Anne bewegte und was sie Kitty anvertraute, lässt uns direkter in Verbindung treten und Nicht Vergessen, es nicht als alte Geschichte der Vergangenheit abzutun, sondern in ihren Erinnerungen festzuhalten, was für uns so wichtig ist, da es bis heute in die Gegenwart spielt. Anne Frank wäre dieses Jahr am 12. Juni 90 Jahre alt geworden.


So beginne ich mit dem heutigen Tag. 10. Juli 1942:


Freitag, 1 0 . Juli 1942
Liebe Kitty!
Sehr wahrscheinlich habe ich dich mit meiner langatmigen Wohnungsbeschreibung
ziemlich gelangweilt, aber ich finde es notwendig,
dass du weißt, wo ich gelandet bin. Wie ich gelandet bin, wirst du
aus den folgenden Briefen schon erfahren.
Nun die Fortsetzung meiner Geschichte, denn ich bin noch nicht fertig,
das weißt du. Nachdem wir in der Prinsengracht 263 angekommen
waren, führte uns Miep gleich durch den langen Flur und über
die hölzerne Treppe direkt nach oben ins Hinterhaus. Sie schloss die
Tür hinter uns, und wir waren allein. Margot war mit dem Rad viel
schneller gewesen und hatte schon auf uns gewartet.
Unser Wohnzimmer und alle anderen Zimmer waren so voller
Zeug, dass man es nicht beschreiben kann! Alle Kartons, die im Lauf
der vergangenen Monate ins Büro geschickt worden waren, standen
auf dem Boden und auf den Betten. Das kleine Zimmer war bis an
die Decke mit Bettzeug voll gestopft. Wenn wir abends in ordentlich
gemachten Betten schlafen wollten, mussten wir uns sofort dranmachen
und den Kram aufräumen. Mutter und Margot waren nicht
in der Lage, einen Finger zu rühren. Sie lagen auf den kahlen Bet-
ten, waren müde und schlapp und was weiß ich noch alles. Aber
Vater und ich, die beiden Aufräumer der Familie, wollten sofort anfangen.
Wir räumten den ganzen Tag hindurch Schachteln aus und Schränke
ein, hämmerten und werkten, bis wir abends todmüde in die sauberen
Betten fielen. Den ganzen Tag haben wir kein warmes Essen bekommen,
aber das störte uns nicht. Mutter und Margot waren zu müde
und zu überspannt, um zu essen, Vater und ich hatten zu viel Arbeit.
Dienstagmorgens fingen wir dort an, wo wir am Montag aufgehört
hatten. Bep und Miep kauften mit unseren Lebensmittelmarken ein,
Vater reparierte die unzureichende Verdunklung, wir schrubbten den
Küchenboden und waren wieder von morgens bis abends beschäftigt.
Zeit, um über die große Veränderung nachzudenken, die in mein
Leben gekommen war, hatte ich bis Mittwoch kaum. Dann fand ich
zum ersten Mal seit unserer Ankunft im Hinterhaus Gelegenheit, dir
die Ereignisse mitzuteilen und mir gleichzeitig darüber klar zu werden,
was nun eigentlich mit mir passiert war und was noch passieren
würde.                                              Deine Anne


[©Anne Frank Tagebuch,Fassung von Otto H. Frank und Mirjam Pressler

Aus dem Niederländischen von Mirjam Pressler Fischer Taschenbuch Verlag 2007,S.37]

Anne Frank

...today 77 years ago...


On this page I like to share the diary memories at the same time….today 77 years ago, Anne Frank was writing in her diary. Many might know it already, but today again, to remember what Anne was moved by “telling” it to Kitty makes a direct link to not forget or think it is just history. Instead embracing her memories once again because it is more relevant ever in these present days.

I will begin with sharing memories from 10. July 1942:


FRIDAY, JULY 10, 1942

Dearest Kitty, I've probably bored you with my long description of our house, but I
still think you should know where I've ended up; how I ended up here is something
you'll figure out from my next letters.
But first, let me continue my story, because, as you know, I wasn't finished. After we
arrived at 263 Prinsengracht, Miep quickly led us through the long hallway and up the
wooden staircase to the next floor and into the Annex. She shut the door behind us,
leaving us alone. Margot had arrived much earlier on her bike and was waiting for us.
Our living room and all the other rooms were so full of stuff that I can't find the
words to describe it. All the cardboard boxes that had been sent to the office in the
last few months were piled on the floors and beds. The small room was filled from
floor to cethng with linens. If we wanted to sleep in properly made beds that night,
we had to get going and straighten up the mess. Mother and Margot were unable to
move a muscle. They lay down on their bare mattresses, tired, miserable and I don't
know what else. But Father and I, the two cleaner-uppers in the family, started in
right away.
All day long we unpacked boxes, filled cupboards, hammered nails and straightened up
the mess, until we fell exhausted into our clean beds at night. We hadn't eaten a hot
meal all day, but we didn't care; Mother and Margot were too tired and keyed up to
eat, and Father and I were too busy.
Tuesday morning we started where we left off the night before. Bep and Miep went
grocery shopping with our ration coupons, Father worked on our blackout screens, we
scrubbed the kitchen floor, and were once again busy from sunup to sundown. Until
Wednesday, I didn't have a chance to think about the enormous change in my life.
Then for the first time since our arrival in the Secret Annex, I found a moment to tell
you all about it and to realize what had happened to me and what was yet to happen.

Yours, Anne

[©Edited by Otto H. Frank and Mirjam Pressler Translated by Susan Massotty p.21]


日本語



一九四二年七月十日、金曜日:

親愛なるキティーへ

長々とわたしたちの住まいについての説明を聞かされて、さぞかしうんざりしているでしょう。でもやっぱり、わたしがどういうところに落ち着いたかか、それをぜひとも知っていただきたかったんです。どういう手順を踏んでここに落ち着いたかは、これからの手紙でいやになるほど知らされるでしょうけど。


でも、まずは話つづけましょう-----そう、まだ終わっていないんです------わたしたちがこのプリンセンフラハト二六三番地の家に到着(とうちゃく)したところからです。着いてみると、


ミープが待っていて、先に立ってすばやく長い下を通り技(ね)け、木の階段をのぼって、まっすぐこの«隠れ家»へ案内してくれました。なかにはいると、ミープがすぐにドアをしめ、なかにはわたしたち家族だけが残りました。マルゴーは自転車だったので、とうに到着して、みんなを待っていました。


見まわすと、わたしたちの居間となる部屋(へや)も、ほかのどの部屋も、足の踏み場もないほど散らかっていて、それはもう信じられないほど。何カ月も前からすこしずつ運びこまれてきた段ボール箱が、床にもべッドにも山のように積みあげられ、狭(せま)いほうの部屋は、天井(てんじょう)までぎっしりと寝具(しんぐ)の山。今晩、ちゃんとしたべッドに寝(ね)ようとすれば、すぐにも整理にかからなくちゃなりませんが、ママとマルゴーとは、とてもそれどころじゃなく、ぐったりして、シーツも敷かれていないベッドに横になってしまいました。悲しくて、みじめな気分------いえ、もっと複雑な気分だったんでしょう。でも、家族のなかの “整理魔“たち、つまりパパとわたしとは、さっそく仕事にかかることにしました。


その日は一日じゅう、段ボール箱をあけたり、戸棚(とだな)に物をしまったり、金槌(かなづち)でとんかちやったり、かたづけものをしたり、それやこれやで暮れ、しまいにはくだくたになって、どうにか清潔なべッドにころげこみました。朝からなにひとつ温かいものは口にしてませんでしたけど、だれも気にしませんでした。ママとマルゴーは、心労と緊張(きんちょう)とて食欲がなく、パパとわたしは、


p。54


忙しくて、とても食事どころじやありませんでしたから。


 火曜日には、朝からみんなで前日やりのこした仕事をつづけました。べップとミープは、


わたしたちにかわって配給物(はいきゅうもの)をとってきてくれましたし、パパは、貧弱な灯火(とうか)管制(かんせい)の暗幕をすこしはましなように直し、わたしたちはキッチンの床を水洗いするなどして、またまた一日じゅうてんてこまい。わたしの身に起きた大きな変化について考えてみるゆとりができたのは、ようやく水曜日でした。この日にはじめてすこし暇(ひま)ができたので、あなたにこれまでのいきさっをすっかりお話しし、あわせて、自分の身になにが起きたのか、またこれから起ころうとしているのか、実感としてつかめるまでになったわけです。


じやあまた、アンネより

日本語の翻訳からp。53,54









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